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Tschernobyl
Romny
Ein hoher Preis

Als Klavierlehrerin treffe ich immer wieder auf Eltern, die davon träumen, ihr Kind eines Tages als gefeierte Künstlerin oder Künstler auf einer Bühne zu sehen. Auch meine Mama träumte diesen Traum. Sie hoffen, ihr Kind erreiche, was sie nicht schafften. Ihr Druck auf ihre Söhne und Töchter raubt diesen einen Teil ihrer Kindheit.

Meine Tochter studierte auch Musik. Doch heute bin ich glücklich, dass sie sich Neuem zugewandt hat und nicht mehr in meinen Fussstapfen tritt.
Denn für das Klavierspielen habe ich einen hohen Preis bezahlt.

Ob sich dieser lohnt, diese Frage stand am Anfang meiner filmischen Reise und wurde zum Subtext des Films. Während der Dreharbeiten, bei den Besuchen an den Orten meiner Vergangenheit, stellte ich mir immer wieder vor, wie es wäre, wenn ich keine Klavierspielerin, sondern vielleicht eine ganz normale Hausfrau geworden wäre. Auf der langen Fahrt in mein Heimatdorf habe ich verstanden, dass ich auch ohne Klavier eine Suchende, eine Zweifelnde wäre, die mit Neugier immer wieder andere Wege geht.

Zum Glück hatte ich in meiner Kindheit und Jugend genug Kraft, mich gegen allzu grossen Druck zu wehren. Die Liebe zur Musik hat mich getragen. Ich liebe das Klavierspielen, bin verbunden mit meinem Flügel. Wenn er nicht da ist, fehlt mir alles.

Mein Weg zurück in die Vergangenheit war hart. Ich hatte viel zu wenig Zeit, all das Erlebte zu verarbeiten, zu weinen, zu lachen, darüber zu sprechen. Der Drehplan war brutal, immer weiter, immer neue Orte, und die Kamera vor und das Mikrofon über meinem Kopf. Aber das ist so bei der Produktion eines Filmes, der das Leben zwar zeigen, aber nicht verarbeiten kann. So lagen ich und einige aus der Equipe nach unserer Rückkehr in die Schweiz krank im Bett.

Und doch möchte ich die intensive Erfahrung, in die mich der Film hineingeworfen hat, nicht missen...

Alena Cherny